Tages-Workshop «Werbung wird Video»


Donnerstag, 20. Oktober 2016 | aroma, Zürich-Oerlikon

 

Rückblick des Tages-Workshops «Werbung wird Video»


Wie schaltet man eine YouTube-Kampagne? Welche Filmgenres und Stilrichtungen gibt es? Wie kann ein Werbefilm den Erwartungen des Publikums gerecht werden? Welche Erwartungen sind das überhaupt?

Diese und zahlreiche weitere Fragen beantwortete Stefan Gilgen am ASW-Workshop «Werbung wird Video». Gut zwanzig Mitglieder und Gäste hatten sich am 20. Oktober 2016 bei der aroma in Zürich-Oerlikon eingefunden, um dem Inhaber der ASW-Agentur Blitz und Donner zu lauschen, als er in breitem „Bärndüütsch“ eine geballte Ladung Information ins Publikum schleuderte. Theoretisches Filmwissen kam dabei ebenso zum Zug wie praktische Tipps und Tricks aus dem Werkzeugkasten des seit 20 Jahren erfolgreichen Filmemachers.



Obschon diverse Staus und frische Gipfeli dafür sorgten, dass sich der Beginn des Workshops etwas verzögerte, nahm Stefans Vortrag sogleich volle Fahrt auf. Und das von hinten nach vorne: Am Vormittag erklärte er die Distributionsmöglichkeiten von Videos, die – anders als noch vor ein paar Jahren – nicht primär im Fernsehen, sondern im Internet liegen. Ob YouTube, Facebook oder vimeo: Nebst den Stärken und Schwächen des jeweiligen Kanals zeigte er, wie überhaupt eine Kampagne geschaltet wird und was dabei besonders beachtet werden muss. Denn was nützt ein perfekt produzierter Werbefilm, wenn er die Zielgruppe nicht erreicht?

Auch sensibilisierte Stefan das Publikum für neue Plattformen wie Instagram und Snapchat, die besonders junge Leute ansprechen und durch Liking und Sharing schnell hohen Traffic generieren können.

Anhand der YouTube-Kampagnen „Genusswandern“ und „Piste-Jürg“ aus dem Hause Blitz und Donner wurde folgendes klar: Videos fürs Web müssen immer in erster Linie auf die konkrete Zielgruppe zugeschnitten sein und unbedingt die Möglichkeit zur (Inter)aktion bieten. Konkret heisst dies, Kommentare unter YouTube-Videos zu beantworten und weiterführende Links in ein Video zu integrieren, die auch auf dem Smartphone funktionieren.

Die Mittagspause wurde, wie schon beim letzten Workshop, in der Kantine auf der Dachterrasse von aroma verbracht, wo die knurrenden Mägen mit Rindsragout mit Couscous oder Älpler-Makronen besänftigt wurden. In der lockeren Atmosphäre tauschte man sich aus und lernte neue Leute kennen.



Der Nachmittag enthielt vermehrt praktische Tipps und Hilfestellungen für Agenturen, die sich neu ans Medium Film heranwagen. „Habt keine Angst vor Video, ihr könnt das auch!“, ermutigte Stefan. Neulingen empfiehlt er, die Filmproduktion zwar auszulagern, aber durch ein detailliertes, präzises Briefing sicherzustellen, dass die Kommunikationsabsicht dieselbe bleibt. Das heisst, dem Produzenten die Art des Filmes und die Storyline klar vorzugeben, ihn aber in seiner Kreativität nicht einzuschränken. Werkzeuge und Software zum Drehbuchschreiben, Storyboarden oder Erstellen eines Moodboards empfahl Stefan einige – zu finden sind sie in den Workshop-Unterlagen im passwortgeschützten Bereich von www.asw.ch.

Vor der Realisation eines Videos müssen einige Fragen beantwortet werden: Was ist das Kommunikationsziel? Ist das Thema filmisch überhaupt umsetzbar? Wo und wann erreichen wir die Zielgruppe? Ist Unterhaltung gewährleistet? Wird dieser Schritt vernachlässigt, wird das Endprodukt Mängel aufweisen und sein Ziel verfehlen.

Bei der Wahl eines Filmproduzenten oder Partners ist Vorsicht geboten: Viele sogenannte Spezialisten schiessen wie Unkraut aus dem Boden, nicht zuletzt, weil Equipment günstiger geworden ist und sich Prozesse automatisieren oder auslagern lassen. Es empfiehlt sich, neben bekannten Produktionsfirmen je nach Art des Videos auch Amateur-Filmer oder Spezialisten für Action- oder Eventfilme zu engagieren, die sich in ihrem Gebiet gut auskennen und Begeisterung mitbringen.

Ferner beinhaltete der Nachmittag praktische Übungen für die Zuhörenden: Aus einem Raster mit zahlreichen Filmgenres und Stilmittel wählte jeder zwei, überlegte sich eine kreative filmische Umsetzung und teilte sie im Plenum. Hier beeindruckte Stefan alle, als er zu jeder noch so abstrakten Kombination wie „Makro-Einstellung & Eventfilm“ oder „2.5D Parallaxen-Animation und Dokumentarfilm“ aus dem Stegreif konkrete Ideen zur Umsetzung einbrachte.

Auch zum Konzipieren eines Filmes hatte Stefan einiges zu sagen. „Nicht beschreiben, sondern zeigen!“, lautete hier sein Credo. Weil sich Bilder enorm ins Gedächtnis eines Menschen einbrennen, sollen nur positive Bilder gezeigt werden, Negatives kann im Ton Platz finden. Auch macht das menschliche Gehirn gerne Links zwischen Fakten, weshalb nachvollziehbare Infos im Film ausgelassen werden sollen, um die Neugier des Zuschauers zu fördern.

Werbefilme werden ebenso nach dem Prinzip der Heldengeschichte aufgebaut wie Hollywood-Streifen. Ein Held, ein Ruf zum Abenteuer, ein Konflikt und schlussendlich das Erreichen des Ziels, nach welchem der Held nicht mehr derselbe ist. Stefan machte darauf aufmerksam, dass selbst komplexe Filme stets mit wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht werden können müssen. Wie schwierig das sein kann wurde klar, als die Teilnehmenden bekannte Kinofilme knapp beschreiben und erraten mussten.



Zum Schluss wurde mit Unterstützung von ASW-Geschäftsführer Benno Frick die rechtliche Seite beleuchtet. Wichtig ist der korrekte Umgang mit SUISA- oder Gema-lizenzierter Musik. Nebst dem Kaufen der Musik kann man selbst komponieren lassen oder aber lizenzfreie Musik nutzen. Bei Verträgen mit Models und Schauspielern ist es ratsam, diese direkt und nicht über eine Agentur zu machen. Am besten sichert man sich die Darsteller von Anfang an für Folgeproduktionen.

Zum Ausklang dieses extrem informativen Workshop-Tages genoss man auf dem Dach der aroma einen Apéro, tauschte sich bei Snacks und Getränken über das Gelernte aus und hatte die Möglichkeit, Stefan weitere Fragen zu stellen.

Die gesamten Workshop-Unterlagen finden Aktivmitglieder demnächst im passwortgeschützten Memberbereich von www.asw.ch